Tauben

Kaum ein anderes Stadttier lebt so eng mit dem Menschen zusammen wie die Strassentaube. In Basel leben heute zwischen 5000 und 8000 Tauben. Der grosse Taubenbestand führte zuletzt zu Problemen, insbesondere in Parkanlagen, an den Bahnhöfen sowie im Kleinbasel und in den Quartieren Gundeldingen und St. Johann.

Werden die Tauben gefüttert, können sie ganzjährig brüten, so dass die Population stetig zunimmt. Mit dem Anstieg geht eine Verschmutzung von Gebäuden, Denkmälern und Grünanlagen einher. Zudem wird das Auftreten verschiedener Parasiten und Krankheitserreger begünstigt, die auch auf den Menschen übergreifen können. So wurde 2015 ein junger Mann in seiner Wohnung in Basel mehrfach von Taubenzecken befallen, was zu einer ernsthaften allergischen Reaktion führte.

Unter der dichten Population leiden aber vor allem die Tauben selber: Sie sind Stress, Krankheiten und Parasiten ausgesetzt. Dazu drohen ihnen Gefahren von nicht tierschutz-gerechten Abwehrsystemen wie Spikes mit scharfen Spitzen und nicht korrekt montierten Netzen, mit denen Hauseigentümer versuchen, ihre Gebäude zu schützen.

Taubenfüttern verursacht Übervölkerung

«Die Grösse einer Taubenpopulation wird durch die Nahrungsmenge bestimmt», sagt Daniel Haag-Wackernagel, Professor für Biologie in der Medizin am Departement Biomedizin der Universität Basel. «Diese fällt in Form von natürlicher Nahrung, von Abfällen sowie vor allem durch die Fütterung an», so der Taubenexperte, der die Basler «Arbeitsgruppe Strassentauben» leitet (siehe unten).

Das Überangebot an Futter, das vor allem im Kleinbasel und im Gundeldingerquartier besteht, ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Veränderte Essgewohnheiten führen zu mehr Abfällen, die den Tauben als Nahrung dienen. Zudem wird vermehrt von Menschen aus anderen Kulturkreisen Taubenfutter ausgebracht, was insgesamt zu einer Erhöhung des Taubenbestands geführt hat.

Nahrungsangebot reduzieren

Wer füttert, fördert die Übervölkerung bei den Tauben, und ist indirekt für Verschmutzungen sowie für die Ausbreitung von Parasiten und Krankheitserregern verantwortlich. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Studien, dass die Taubenbestände nur nachhaltig verkleinert werden können, wenn das Nahrungsangebot reduziert wird.

Deshalb hat die «Arbeitsgruppe Strassentauben» beschlossen, 2016 eine Aufklärungsaktion durchzuführen, welche die unkontrollierte Fütterung der Tauben ins Visier nimmt. Die «Basler Taubenaktion» wurde heute an einer Medienkonferenz von Dr. Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, und Prof. Dr. Daniel Haag-Wackernagel vorgestellt.

«Wir wollen einem kleinen und gesunden Taubenbestand eine friedliche Koexistenz mit dem Menschen ermöglichen», fasste Regierungsrat Lukas Engelberger an der Medienkonferenz das gemeinsame Ziel zusammen. Übermässiges Taubenfüttern sei falsche Tierliebe, die dem Tier mehr schade als nütze.

Mit Plakaten, Flyern und einer ausführlichen Broschüre über das Leben der Strassentaube soll der Bevölkerung wieder in Erinnerung gerufen werden, dass ein zu grosses Nahrungsangebot für die Tauben und Menschen problematisch ist. Mit Informationen in mehreren Sprachen sollen insbesondere auch nicht Deutsch sprechende Bevölkerungsgruppen erreicht werden.

Basler Erfolgsmodell

Mit dieser Strategie zur Regulierung des Taubenbestands hat Basel gute Erfahrungen gemacht: Ende der Achtzigerjahre wurde die erste Taubenaktion lanciert, die auf einer Analyse der ökologischen Zusammenhänge basierte. Mit dem Slogan «Tierschutz ist: Tauben nicht füttern!» gelang es, breiten Bevölkerungskreisen zu vermitteln, dass eine unkontrollierte Fütterung den Tieren schadet. In der Folge halbierte sich die Population innert vier Jahren. Der Erfolg der Aktion gewann internationale Anerkennung, und zahlreiche Städte im In- und Ausland haben sich am Basler Projekt orientiert.

Arbeitsgruppe Strassentauben

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern folgender Einrichtungen zusammen:
- Gesundheitsdepartement: Medizinische Dienste und Kantonales Veterinäramt - Kantonspolizei Basel-Stadt, Tierwesen - Stadtgärtnerei Basel - Tierschutz beider Basel - Universität Basel, Departement Biomedizin

PROBLEME mit Tauben?

Hier die entsprechenden Ansprechpartner

Tauben in Not an schwer zugänglichen Stellen
Feuerwehr
Tel. 118

Tierschutzrelevante Probleme mit Tauben und Anordnung von Massnahmen
Veterinäramt Basel
Tel. 061 385 32 28

Beratung und Anordnung von Massnahmen bei hygienischen Problemen
Gesundheitsdienste / Wohnungswesen
Tel. 061 267 95 42

Jagdliche und jagdrechtliche Probleme
Kantonspolizei, Jagd- und Tierwesen
Mail jagd@jsd.bs.ch

Beratung und Informationen zum Taubenproblem, Befreiung von Tauben in Not
Tierschutz beider Basel
Tel. 061 378 78 10

Beratung bei Fragen zur Taubenabwehr und allgemeinen Problemen mit Tauben
Universität Basel
D. Haag-Wackernagel
Tel. 061 207 39 46